Die härteste Langdistanz Österreichs

Mal schauen, ob der Neo noch gut ist. Ich hatte ihn nach der Ironman European Championship in Frankfurt 2002 eingemottet. Da aufgrund von Corona die Schwimmbäder geschlossen hatten und der Termin des Austria eXtreme Triathlon immer näher rückte, war der See die einzige Alternative. Bei 10 °C Wassertemperatur für einen Warmduscher ein nachhaltig frostiges Erlebnis. Aber auch eine Chance, sich auf das Schwimmen in der Mur vorzubereiten, denn die hat normalerweise zwischen 12 und 16° C.


Kampfschwimmen


Apropos Schwimmen. Trotz der dieses Mal 18° C war es alles andere als angenehm. Sofort nach dem Start geht der Kampf um die beste Position, also aufgrund der Strömung so nah wie möglich am Ufer, los. Wer dann zu früh in Richtung Boje auf der anderen Seite abbog, sah sich schnell auf verlorenem Posten.

Eigentlich hätte ich das Flussabwärtsschwimmen genießen sollen, doch die zwei Kilometer kamen mir endlos lang vor. Und der Gedanke, einen Teil davon wieder aufwärts zu müssen, war niederschmetternd.

Nach der Wende begann sofort wieder der Kampf: Fremde Arme, schlagende Beine, Äste, Steine am Grund. Ich war gefangen, konnte nach vorne nicht ausbrechen und wollte mich auch nicht zurückfallen lassen. Erst als mein Vordermann einmal kurz nicht aufpasste und von der ufernahen Ideallinie abkam, konnte ich zum Überholen an- und mich mit langen Zügen schnell absetzen.


Bis zu 16 % Steigung


Nach dem Kraftakt beim Schwimmen schienen die ersten, flachen Kilometer beim Radfahren recht erholsam. Doch schon nach 50 km begann der Aufstieg zum 1.547 m hohen Gaberl. Kein Pass zum Fürchten, aber 1.000 Höhenmeter kosten doch die ersten Körner.

Also ruhig Blut und aufgrund der langen, kalten Abfahrt oben auf jeden Fall zumindest eine Windjacke angezogen. Schließlich kann bei einem 186 km langen Einzelzeitfahren mit 3.900 Hm viel passieren. In der Tat geschah das dann auch auf einer der nächsten Abfahrten bei Tempo 70. Der Fahrer vor mir versteuerte sich, schlug hart auf den Asphalt und flog über den Stacheldrahtzaun auf die angrenzende Weide. Gott sei Dank keine Brüche, sondern nur Hautabschürfungen und Prellungen. Die nachfolgenden Begleitfahrzeuge übernahmen sofort die weitere Erstversorgung.

Jetzt stand nur noch der Sölkpass zwischen mir und dem zweiten Wechsel. Einen Vorgeschmack auf die letzten Kilometer bieten bereits die ersten mit einer ordentlichen Steigung. Nach diesen folgt ein schönes, welliges Profil, bevor du vor der Nase nur noch Straße siehst und dir der Pass den letzten Zahn zieht. Aus diesem Grund sollte die Übersetzung hinten, bei vorne 39, schon mindestens 32 Zähne haben oder du bereits hier gut zu Fuß sein.


Nur noch ein Marathon


Dieser beginnt gleich mit einem sehenswerten Highlight, dem Laufen über die Sölksperre. Ob deine Beine noch gut sind, weißt du spätestens, wenn du den steilen Anstieg nach der idyllischen Strubschlucht hinter dir hast. Ab da rollt es richtig schön vor der beeindruckenden Kulisse des Dachstein dahin. Erst nach dem Checkpoint in Aich und dem ersten Halbmarathon zieht die Steigung zuerst etwas und dann im Wald mächtig an.

Da kommt die Jausenstation Burgstaller bei Kilometer 24 gerade recht. Das Bier liegt gut gekühlt in der Tränke und die Rindssuppe schmeckt fantastisch. Bald ist der nächste Checkpoint in der Silbertalklamm erreicht. Da ab hier dein Betreuer mitlaufen muss, sind die restlichen Kilometer kurzweilig, zumal sie auch landschaftlich wunderschön sind.

Und dann geht es ab der Glösalm für drei Kilometer höhenmetertechnisch noch einmal richtig zur Sache, bis bei der Südwandhütte auf 1.871 m der höchste Punkte und das absolute Highlight des Tages erreicht ist und die 1.863 Hm voll sind.

Von dort aus sind es nur noch zwei Kilometer auf einem leichten Trail und über zwei Schneefelder zum Ziel bei der Dachstein Gletscher Seilbahn, wo dich heftiges Kuhglockenläuten und die Gewissheit empfängt, dass du die härteste Langstrecke Österreich tatsächlich gefinisht hast.


Ein großes Dankeschön


Der austria eXtreme Triathlon macht seinem Namen alle Ehre und ist zurecht Teil der International Extreme Triathlon Series. Insgesamt verfolgt die Strecke ein dramaturgisches Crescendo: Egal ob beim Schwimmen, Radfahren oder Laufen, der anspruchsvollste Teil folgt bei jeder Disziplin immer zum Ende hin. Und was die Schönheit angeht, so ist das Finish vor der Kulisse des Dachstein absolut grandios.

Ferner widerlegt das Event, dass Triathlon eine Einzelsportart ist, ganz im Gegenteil. Ohne Orga-Team läuft hier nichts und dank ihm alles perfekt. Und wie wichtig die persönlichen Supporter für den Erfolg sind, spürst du ab 4.30 Uhr bei jedem Meter auf deinem Weg zum Dachstein. Der nächste, 7. Austria eXtreme Triathlon findet am 25. Juni 2022 statt.

Zumindest als Teilnehmer werde ich nicht mehr am Start sein, denn ich hatte den perfekten Tag und das Wichtigste, zufrieden, gesund und mit einem Lächeln gefinisht.


Alle Infos und Anmeldung auf www.autxtri.com



Bilder (c) Die Laufschrittmacher/Christian Reichart, Sportshot, Laufcoaches.com/ Michael Raab

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